Winter Wonderland
Unser Hausberg für die Tage, an denen wir nicht gar so viel Zeit haben
Schon bevor wir zusammen wandern gegangen sind, war die Brecherspitz für uns beide ein kleiner Klassiker. Nur eine Stunde von München entfernt, ist sie perfekt, um einen kleinen Hike reinzumogeln, wenn man nur einen Vormittag zur Verfügung hat.
Die meisten Leute gehen die Forste Straße rauf bis zur Firstalm und von dort aus dann über den Grashang rauf zum Gipfel. Aber wenn man Lust hat auf ein bisschen mehr Abenteuer, kann man vom Spitzingsattel aus auch direkt in den Wald stechen und so schließlich über den Bergrücken bis zum Gipfel kommen. So ist das ganze ein tolles kleines Abenteuer, das sich um einiges aufregender anfühlt, als die 600 Höhenmeter vermuten lassen. Man sollte allerdings schwindelfrei sein, denn sowohl auf dem Bergrücken, als auch auf dem Grat geht es zu beiden Seiten teilweise ganz schön steil ab.
Schwierigkeit
Die Tour ist im Sommer ein kleines Schmankerl und gut mal eben am Vormittag zu machen, auch ohne besondere Ausrüstung. Man sollte allerdings schwindelfrei sein, denn der Grat nach dem Gipfel ist teilweise doch ziemlich schmal. Auch schon beim Aufstieg – sofern man vom Parkplatz aus durch den Wald geht – kommt recht früh eine Stelle, die nicht ganz ohne ist. Sicher kein Hexenwerk, aber man muss schon ein bisschen kraxeln.
Was die Kondition angeht, sollte die Tour für die meisten Leute gut machbar sein. Sie ist zwar teilweise recht steil, aber mit nur 600 Höhenmetern, ist die Anstrengung schnell vorüber und mit ihrem tollen Ausblick lädt die Brecherspitz auch häufig zu kleinen Pausen ein, in denen man den Blick ins Tal und über den Spitzingsee genießen kann.
Steigeisen wären nicht ganz übertrieben gewesen
Der Wald wird recht schnell lichter und bald steht von vor einer kleinen Wand, die es zu erklettern gilt. Nicht tragisch, wenn man schwindelfrei ist und vor allem nicht, wenn kein Schnee liegt, aber nachdem an dieser Stelle alles unter einem halben Meter Schnee begraben war, waren wir etwas früher schon vom Weg abgekommen und nun etwas Schwierigkeiten, den gewohnten Einstieg zu finden, weshalb wir einfach nur versuchen mussten, steil bergauf an die Wand heran zu kommen. Aber nachdem das geschafft und die Wand erklommen war, wurde der Weg wieder etwas einfacher und flacher. Allerdings stand dafür hier der Schnee teilweise fast bis zur Hüfte. Abgesehen von einer Gams, waren wir offensichtlich seit einer Weile die ersten hier oben.
Aber die Aussicht hat uns mehr als versöhnt. Unter uns lag nun der Spitzingsee und die herum liegenden Berge, alle wie mit einer Zuckerschicht bedeckt. Auf der anderen Seite konnten wir den Skilift erspähen und am gegenüberliegenden Taubenstein waren der erste Skitourengänger des Tages zu sehen.
Auf zum Gipfel
Auf den letzten hundert Höhenmetern kommt man auf einen Grat, von dem aus man zu beiden Seiten einen tollen Blick hat. Auf der einen Seite liegt eben der Spitzingsee und seine Berge, vereist und schneebedeckt. Auf der anderen Seite ist der Schliersee zu sehen, noch umringt von einem Hauch von Grün und ohne Schnee – der Winter ist hier gerade mal zu erahnen.
Auf dem gesamten Weg aufwärts sahen wir nur eine andere Spur und die stammte wahrscheinlich von einer einsamen Gams. Und auch auf dem Gipfel waren wir noch immer alleine und konnten unseren heißen Tee und das Müsli in perfekter Einsamkeit genießen und die idyllische Winterstimmung aufsaugen.
Und wieder nach unten
Vom Gipfel aus hat man immer noch ein schönes Highlight vor sich. Bevor man zum eigentlich Abstieg kommt, überquert man noch mal einen Grat, der auch wirklich spektakulär aussieht. Auch hier wieder gut machbar, aber man sollte einen sicheren Tritt haben schwindelfrei sein.
Um ehrlich zu sein, ist mir der Weg runter über den begrasten Hang an machen Tagen fast lästig, aber heute war es einfach nur eine Menge Spaß. Wir rannten und rutschten den eingeschneiten Hang herab – es hatte tatsächlich was von Skifahren. Mit Sicherheit war das meine Rekordzeit über diesen Hang!
Während wir uns aus dem Abstieg einen Fetz machten, kamen uns langsam immer mehr Leute entgegen gestapft, die jetzt auf dem Weg nach oben waren. Wieder einmal waren wir sehr froh, früh aufgestanden zu sein und uns nicht mit einreihen zu müssen. Es hat schon was, so eine Tour selbst am Feiertag die meiste Zeit ohne andere Leute machen zu können.
Der restliche Weg runter über die Forststraße war gewohnt unspektakulär und gab uns die Gelegenheit ein bisschen zu quatschen. Wir mussten nur aufpassen, nicht von tollkühnen Vätern und ihren Kindern, die mit den Schlitten von der Firstalm kamen, umgenietet zu werden.
Auch auf der Heimfahrt waren wir dann noch einmal froh, so früh gestartet zu sein. Während wir gemütlich und zügig zurück nach München fuhren, stand auf der entgegen kommenden Spur die Blechlawine still. Aber das sind die Feiertage Richtung Tegernsee, wenn man zu spät dran ist. ?
Ausrüstung
Im Sommer ist die Tour gut in leichten Wanderschuhen und Shorts machbar, aber ehrlich gesagt, waren wir beide nicht besondern gut ausgestattet für den Winter. Wenn man unsere Klamotten kombiniert hätte, hätte man ein vernünftiges Outfit gehabt. Die Gamaschen, die ich hatte, und meine Daunenjacke waren optimal, aber meine Stoffhose hat sich im Schnee komplett vollgesaut. Fabis Wanderhose hingegen wurde garnicht erst nass, dafür hat im eine Daunenjacke gefehlt. Für’s nächste Mal wissen wir’s besser. ?
