Frühling im Tal, Winter auf dem Gipfel
Als wir um 6 Uhr morgens losfuhren Richtung Spitzingsee freuten wir uns noch über die milden Temperaturen und die Sonne, die schon über den Horizont kam und uns etwas wärmte.
Angekommen in Geitau sahen wir sie schon vor uns – die Aiplspitz. Fabian hatte mir schon lange von dieser Tour erzählt. Ich selbst war bisher nur von der anderen Seite, vom Spitzingsattel aus über den Jägerkamp, hierauf gegangen. Aber ich hatte keine Ahnung, wie sehr sich der längere Weg von Geitau aus lohnt.
Wir starteten über offene Wiesen und hatten den Wendelstein im Rücken, der uns so früh am Morgen in weiches Sonnenlicht gebadet einen wirklich tollen Anblick bot. Bald kamen wir in den lichten Wald, durch den es etwa eine Stunde steil bergauf ging. Etwas schwer schnaufend unterhielten wir uns während des Weges über andere Touren, die wir noch gemeinsam vorhaben.
Nach einer Weile kamen wir wieder aus dem Wald heraus und bekamen nun einen besseren Blick auf den Gipfel. Wir sahen, dass das Kar auch jetzt im Mai noch voller Schnee war und weil wir nichts riskieren wollten, entschieden wir uns dafür, schon frühzeitig über die Wiese zum Bergrücken aufzusteigen und von dort aus über den Grad zum Gipfel zu kraxeln.
Hier war es allerdings, dass es zuerst zu nieseln begann, was sich aber schnell in etwas unangenehmen Regen verwandelte. Wir konnten schon ahnen, dass der Regen etwas höher wahrscheinlich Schnee bedeuten würde und wir besprachen kurz, ob wir umdrehen sollten. Aber da wir beide ganz gut mit Daunenjacke und Hardshell ausgestattet waren, waren wir optimistisch, dass es uns nicht zu kalt werden sollte.
Der Weg über den Grad gestaltete sich etwas kompliziert. Fabian erkämpfte uns die meiste Zeit den Weg durch die dickgewachsenen Latschenkiefern. Es war offensichtlich, dass diese Route in dem Jahr noch nicht oft begangen wurde. Ich hingegen trottete hinterher und versuchte ein paar nette Fotos von Fabian und der nun schon eingeschneiten Gegend zu machen.
Nach etwa einer halben Stunde war es dann geschafft und der Grat verwandelte sich in einem wirklich tollen Gipfelaufstieg. Die Route wurde technisch richtig anspruchsvoll und wir kraxelten mit Händen und Füßen über scharfen Brocken und teilweise erschreckend lockere Felsen. Meine Hände wurde ganz schön kalt bei den mittlerweile ziemlich eisigen Temperaturen. Aber der Weg selbst war Belohnung genug für die kleinen Strapazen.
Am Gipfel angekommen packten wir uns erstmal dick ein. Ich hatte drei Kapuzen über meine Kappe gezogen, aber so konnte ich unsere kleine Brotzeit auf dem Gipfel genießen, ohne das der Schnee mich weiter gestört hätte.
Wir folgten demselben Weg wieder nach unten, über den wir schon aufgestiegen waren. Der Weg vom Gipfel und dann wieder über den Grat war ziemlich glitschig dank dem Schnee, der das Wurzelwerk bedeckte. Glücklicherweise hatten wir beide Wanderstöcke dabei, was die Sache sehr vereinfachte. Wenn der Weg trocken ist, sollte das aber nicht notwendig sein.
Nachdem wir den Grat wieder hinter uns gelassen hatten, wurden wir beide wieder sichtlich entspannter. Und wie es so oft ist bei solchen Touren, quatschten wir gemütlich während des restlichen Abstiegs, der nun keine technischen Schwierigkeiten mehr in sich hatte.
Unten angekommen hatten wir beide nach guten 1.000 Höhenmetern ganz schön Kohldampf und waren ziemlich happy, als wir uns zur Belohnung für unser Abenteuer belegte Semmeln bei einer der zahlreichen Metzgereien auf dem Heimweg über Weyern holen konnten. Man kann es an Fabis Gesichtsausdruck ganz gut erkennen, glaube ich …
Ausrüstung
Unter normalen Bedingungen braucht man für diese Tour nichts besonderes, außer dem immer wieder gerne von Fabian empfohlenem festem Schuhwerk. Zusätzlich sind Wanderstöcke immer hilfreich, aber kein Muss.
An diesem Tag zeigte sich allerdings mal wieder, dass es immer gut ist, auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein. Obwohl uns der Morgen im Tal mir frühlingshaften Temperaturen empfang, waren wir nach der Hälfte der Strecke sehr froh darüber, dass wir beide noch Daunenjacke und Hardshells eingepackt hatten. Ich wäre auch nicht unglücklich gewesen über Handschuhe an diesem Tag. Also, nicht leichtfertig sein, lieber eine Jacke mehr mitschleppen und sie nicht brauchen, als am Gipfel bitter frieren.
