Tief im Schwarzwald
Ab in die Kälte oder doch lieber vor den Kamin?
Alexandra und ich starteten aus Freiburg und fuhren tiefer und tiefer in den Schwarzwald. Die Temperatur fiel immer weiter umso höher wir kamen und ein dicker Nebel nahm uns zunehmend die Sicht.
Als wir aus dem Auto ausstiegen, waren wir uns beide nicht ganz sicher, ob wir wirklich zu so einer ausgedehnten Tour starten wollten. Fünf Stunden in der Kälte oder zu Hause vor dem Kamin – das war die Frage, die sich in meiner Kopf formte. Aber wir stapften tapfer los und in unserem Elan verpassten wir gleich mal den Pfad in den Wald. Wir bemerkten den Fehler zum Glück allerdings schnell und drehten um, um dann noch noch kurz nach dem Parkplatz schon in den Wald zu kommen.
Ein Blick über die Täler
Der Weg startete wirklich sehr entspannt – ein sich durch den Wald windender Pfad mit leichter Steigung. Der Nebel verzog sich sogar ein wenig, aber wir konnten immer noch Nebelschwaden zwischen den Bäumen wabern sehen. Nach kurzer Zeit schon kamen wir zu einer Lichtung, von der aus wir einen tollen Blick über die Täler hatten. Wir hatten die tief hängenden Wolken schon unter uns gelassen und sahen nun die sanften Berge des Schwarzwalds und vereinzelte Dörfer. Die riesigen Windräder, die hier so häufig auf den Gipfeln zu sehen sind, wirkten fast ein wenig bedrohlich in dieser unheimlichen Herbststimmung. Über uns war eine zweite Schicht von Nebel und es war schwer zu erahnen, was sich wohl darüber verbergen mag.
Menschen! Wir sind doch nicht alleine
Wir wanderten weiter und der Wald wechselte sich ab mit offenen Wegen am Hang. Nach etwa zwei Stunden kamen wir an der Talstation der Gondel an. Bis jetzt hatten wir niemand anderen gesehen, aber hier waren doch einige Leute, die scheinbar mit dem Auto die Straße herauf kamen, um von hier aus zu wandern oder mit der Gondel zum Gipfel zu fahren.
Hier war es auch, wo ein paar Schneefelder begannen, die die einzige Schwierigkeit des Tages darstellten. Der Schnee war großteils schon zu Eis geworden und das Ganze war dann doch eine ziemlich rutschige Sache teilweise. Ich hab mich angestrengt, mich nicht auf die Schnauze zu legen – mir war klar, wie sehr das Alexandra amüsiert hätte. Aber die Schneefelder waren vorbei und wir kamen wieder auf die uns schon vertrauten Waldwege. Allerdings wurde das ganze nun ein bisschen steiler, aber der Gipfel war nicht mehr weit.
Der Rundweg über den Gipfel
Nach ein paar hundert Metern über rutschige Wurzeln erreichten wir das Belchenhaus, nahe der Bergstation. Hier oben waren erstaunlich wenig Leute und mit der tierstehenden Sonne ergab sich eine spooky Stimmung. Ich hab es sehr genossen und hätte gerne länger hier verweilt, aber die Kälte trief uns weiter, denn unsere Finger schmerzten sogar in den Handschuhen.
Es waren nur noch etwa zehn Minuten bis zu dem flachen Gipfel. Wir folgten dem Rundweg, der uns in einem großen Bogen zuerst nach oben brachte und dann zurück runter zum Belchenhaus brachte. Auf dem Gipfel machen wir nur ein paar Fotos und packten unsere Sandwiches aus, die wir dann aber doch lieber auf dem Weg runter aßen, denn wir waren definitiv zu ausgefroren um länger hier oben zu bleiben.
Die Aussicht war aber trotzdem malerisch.
Wie aus einem Märchen
Vom Belchenhaus aus entschieden wir uns nun für einen anderen Weg, als den, über den wir nach oben gekommen waren. Dieser Weg war überwachsen mit dicken Wurzeln und gemeinsam mit den niedrig hängende vereisten Ästen wirkte alles fast zu hübsch, wie in einem Märchen.
Von hier aus sahen wir unsere geliebten Alpen in der Ferne. Alex war sich ziemlich sicher, dass wir sogar den Mont Blanc sehen konnten. Um ehrlich zu sein, hatte ich keine Ahnung und ich habe ihr einfach mal geglaubt – aber nagelt mich nicht drauf fest. ?
Linkerhand sahen wir nun das Belchenhaus in der Ferne, das wir hinter uns gelassen hatte. Das war vielleicht mein liebster Ausblick des Tages: die Bäume unterhalb des Belchenhaus, die sich dicht an den Hang schmiegten.
Nach etwa einer Stunden kamen wir wieder auf einen teil des Weges, den wir schon kannten und der uns ein paar Stunden zuvor schon hierher gebracht hatte.
In die Dunkelheit
Wir redeten viel während des Abstiegs und um ehrlich zu sein, war es absolut meine Schuld, dass wir eine falsche Abzweigung genommen haben, die uns in eine Sackgasse mitten im Wald führte. Ich checkte die Karte auf meinem Smartphone uns konnte sehen, dass wir uns wahrscheinlich einfach durch den Wald schlagen könnten, um wieder auf den richtigen Pfad zu kommen. Es war ein wenig rutschig und ich bin zweimal auf meinem Hintern gelandet, aber das hatte ich wohl verdient, nachdem ich nicht auf den Weg geachtet hatte.
Die Sonne ging langsam unter und alles war nun in dieses sanftes Pink gebadet, das man nur in den Bergen sieht. Es war tatsächlich ganz schön romantisch.
Für das letzte Stück holten wir unsere Stirnlampen heraus. Es war zwar nicht mehr weit, aber duster und der Auto rief nur nach fast fünft Stunden laut nach uns mit seiner Sitzheizung. Hier unten war alles wieder in dichtem Nebel und erst, als wir fast direkt davor standen, konnten wir erkennen, dass unseres das letzte Auto auf dem Parkplatz war.
Es war eine bitterkalte Wanderung und startete etwas wackelig, aber mir ist wieder einmal klar geworden, dass es sich immer lohnt, sich aufzuraffen. Mein Kopf fühlte sich klarer und mein Körper war auch ganz klar dankbar für die Bewegung nach den Feiertagen.
Ausrüstung
Die Tour sollte zu jeder Jahreszeit gut machbar sein. Im Winter empfiehlt es sich auf jeden Fall, warme Kleidung einzupacken, aber ansonsten braucht es keine besondere Ausrüstung. Sowohl Alex als auch ich waren mit unseren leichten Wanderschuhen sehr zufrieden und hatten keine Probleme.
Das Terrain ist nicht besonders anspruchsvoll und auch von der Kondition her sollte es niemanden großartig herausfordern. Man darf aber trotzdem nicht unterschätzen, dass sich 18 Kilometer doch ziehen können und ich würde empfehlen, ein paar Snacks einzupacken.
